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Tue, 05. Aug 2025
Neue Professorin an der Fakultät: Prof. Dr. Andrea Herrmann startet zum 1. August
Zum 1. August übernimmt Prof. Dr. Andrea Herrmann die Professur für den Fachbereich Arbeit, Personal & Organisation (Future of Work, Innovation & Organisation). Mit internationaler Erfahrung, einem starken Forschungsschwerpunkt auf der Gig Economy und einem klaren Blick auf nachhaltige Innovationsprozesse bringt sie wichtige Impulse für die Fakultät und die Region.
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Zum 1. August begrüßt unsere Fakultät Prof. Dr. Andrea Monika Herrmann als neue Professorin für den Fachbereich Arbeit, Personal & Organisation (Future of Work, Innovation & Organisation). Mit ihrer internationalen Erfahrung, ihrer exzellenten Forschung und ihrer starken Verbindung zur Praxis bereichert sie unser Profil im Bereich der innovations- und gründungsbezogenen Wirtschaftswissenschaften mit einer Fokussierung darauf, wie Digitalisierung die moderne Arbeitswelt und Unternehmen prägt.
Prof. Herrmann studierte zunächst Betriebswirtschaftslehre an der European School of Business in Reims, Mailand und Reutlingen, bevor sie ihre akademische Ausbildung mit einem Master in European Studies an der London School of Economics fortsetzte und schließlich in politischer Ökonomie am European University Institute in Florenz promovierte. Bereits ihre Dissertation wurde für Preise nominiert und in renommierten Fachzeitschriften besprochen. Ihre PostDoc-Zeit verbrachte Prof. Herrmann am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln.
Ihre akademische Laufbahn führte sie unter anderem an die Utrecht University, die Radboud University Nijmegen und als Marie-Curie-Stipendiatin an die Columbia University in New York. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit digitalen Arbeitsmärkten und digitalen Organisationen und beleuchtet dabei aus einer institutionellen Perspektive, wie Innovationen, Gründertum und die Arbeit der Zukunft durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen geprägt werden.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Gig Economy, also digitalen Plattformarbeitsmärkten, deren Auswirkungen auf Einkommen, Bildungsrenditen und unternehmerische Strukturen sie in mehreren groß angelegten Projekten erforscht. Ihre Forschung wurde unter anderem mit einem ERC Consolidator Grant in Höhe von 2 Mio. Euro gefördert.
Prof. Herrmann ist zudem als Gutachterin für europäische und internationale Förderinstitutionen (u. a. ERC, NWO, DAAD) tätig und engagiert sich in mehreren wissenschaftlichen Netzwerken. Auch der Wissenstransfer in die Praxis ist ihr ein Anliegen: Sie war mehrfach zu Gast bei Medien wie ZEIT ONLINE, Deutschlandfunk oder detektor.fm und berät Ministerien und Unternehmen zu Fragen digitaler Arbeit und nachhaltiger Innovation.
Zum Start hat uns Frau Prof. Herrmann drei Fragen beantwortet:
Was reizt Sie besonders an Ihrer neuen Professur an der Universität Duisburg-Essen?
Mich reizt es besonders, in Forschung und Lehre an Themen zu arbeiten, die unsere Gesellschaft momentan tiefgreifend verändern. Die Digitalisierung beeinflusst fundamental, wie wir arbeiten und welche Qualifikationen zukünftig gefragt sind. Mit der Gig Economy – also Plattformarbeit – hat die Digitalisierung sogar einen völlig neuen Arbeitsmarkt hervorgebracht, der sich oftmals nicht mit klassischen Modellen von Theorien der Arbeitsmarkt- und Innovationsforschung erklären lässt. Auch etablierte Unternehmen und Start-ups erleben derzeit strukturelle Umbrüche, die neue Forschungsfragen aufwerfen – und für Studierende wie Arbeitgeber gleichermaßen relevant sind. In meiner Professur habe ich die Möglichkeit, gemeinsam mit meinem Team genau an diesen Fragen zu forschen und unser Wissen mit Studierenden und Partnern in der Praxis zu teilen.
Außerdem sind für mich die sehr guten Rahmenbedingungen an der Universität Duisburg-Essen sehr reizvoll. So hoffe ich auf vielfältige Kooperationsmöglichkeiten und Synergien – etwa mit der Mercator School of Management, den Fakultäten für Gesellschaftswissenschaften und Informatik oder im Rahmen des Profilschwerpunkts „Wandel von Gegenwartsgesellschaften“. Hinzu kommt die Nähe zu exzellenten außeruniversitären Einrichtungen wie dem Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung (Köln) oder dem Institut für Mittelstandsforschung (Bonn) – ideale Partner, um gemeinsame Projekte in Deutschlands starker Drittmittellandschaft zu realisieren.
Welche Themen möchten Sie in Forschung und Lehre an der UDE künftig besonders vorantreiben – und warum gerade diese?
In meiner Forschung an der Universität Duisburg-Essen möchte ich Themen vorantreiben, die unsere Arbeitswelt und Unternehmensorganisation grundlegend verändern – sowohl auf individueller, organisationaler als auch gesellschaftlicher Ebene. Ein zentrales Projekt wird dabei www.WORK sein, ein ERC-gefördertes Vorhaben zur internationalen Ausbreitung der hochqualifizierten Gig Economy. Das Projekt untersucht, wie Plattformarbeit durch algorithmische Steuerung neue Formen der Erwerbsarbeit schafft – jenseits klassischer Angestellten- oder Freelance-Modelle. Hier geht es um Fragen wie: Warum nutzen Auftraggeber diese Märkte? Wie können sich Erwerbstätige in diesem globalen Wettbewerb der Plattformarbeit behaupten? Und welche Rolle spielen Plattformen als regelsetzende Akteure? Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Antworten auf die Herausforderungen digitaler Arbeitsmärkte zu entwickeln – und sind damit gleichermaßen relevant für Studierende, Unternehmen und Politik.
Außerdem möchte ich weitere Forschungsschwerpunkte an der Schnittstelle von Future of Work, Innovation und Organisation aufbauen. Dazu zählen etwa die Auswirkungen von KI auf Personalprozesse, neue Gründungsmodelle wie die estnische E-Residency oder der Umgang mit Wertschöpfung in offenen Innovationsprozessen. Auch die Frage, wie Unternehmen Zielkonflikte zwischen Innovationsdruck und personeller Ressourcenknappheit bewältigen, spielt eine zentrale Rolle. Diese Themen greifen Digitalisierungs-getriebene Herausforderungen auf, die Organisationen wie Erwerbstätige unmittelbar betreffen – und lassen sich eng mit der Lehre an der UDE verzahnen.
Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach Universitäten wie die UDE, wenn es darum geht, nachhaltigen und digitalen Wandel unternehmerisch mitzugestalten?
Universitäten wie die Universität Duisburg-Essen (UDE) spielen eine zentrale Rolle dabei, den digitalen und nachhaltigen Wandel unternehmerisch mitzugestalten. Sie generieren das notwendige Wissen, um wirtschaftliche Prozesse nicht nur zu verstehen, sondern auch aktiv zu begleiten – sei es im Dialog mit Unternehmen oder durch wissenschaftliche Beiträge zur politischen Entscheidungsfindung. Dies wird zum Beispiel im Bereich der Plattformarbeit deutlich: Die kürzlich verabschiedete EU-Richtlinie zur Regulierung von Plattformarbeit basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen darüber, ob und in welchen Formen Plattformarbeit zu struktureller Ausbeutung führt. Solche Regelungen können nicht alleine aus dem politischen Raum heraus entstehen, sondern benötigen fundierte Forschung dazu, ob und – wenn ja – welche Probleme bestehen, um gesellschaftliche Umbrüche evidenzbasiert zu begleiten.
Die UDE ist hier in besonderer Weise positioniert. Ihre zahlreichen Fachrichtungen und die enge regionale Vernetzung mit außeruniversitären Forschungsinstituten und Unternehmen ermöglicht es, Transformationsprozesse nicht nur theoretisch zu erfassen, sondern praxisnah zu analysieren und mitzugestalten. Dadurch wird Forschung anschlussfähig – an die Bedarfe der Wirtschaft, die Interessen der Beschäftigten und die Fragen der Politik. Universitäten wie die UDE leisten somit nicht nur Grundlagenforschung, sondern tragen aktiv zur Gestaltung einer digitalen und nachhaltigen Zukunft bei, in der wirtschaftlicher Fortschritt und soziale Verantwortung zusammengedacht werden.
Wir freuen uns sehr, Prof. Dr. Andrea Herrmann an unserer Fakultät willkommen zu heißen und auf viele neue Impulse in Forschung, Lehre und Transfer.
Vgl. auch: https://www.andrea-herrmann.eu/ und https://digital-work.eu/
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