Montag, 06 Februar 2017 08:21

IT&me - neue Lernplattform für Frauen in der IT

Internet der Dinge, Big Data-Analysen, virtuelle Realität – so rasant wie die Informationstechnik entwickelt sich kaum eine Branche. Da am Ball zu bleiben, ist nicht einfach. Erst recht nicht, wenn der Alltag zeitintensive Weiterbildungen nicht zulässt, wie etwa bei jungen Müttern. Damit künftig mehr Frauen die Digitalisierung mitgestalten können, startet paluno, das Institut für Softwaretechnik der Universität Duisburg-Essen (UDE), das Projekt IT&me zusammen mit der Forschungseinheit für Gender und IT der Hochschule Heilbronn und der CampusLab GmbH.

Rund 70 Prozent der IT-Unternehmen klagen über Fachkräftemangel, doch „die werden nicht nur dort gebraucht – Unternehmen aller Branchen suchen dringend Verstärkung in der Software-Entwicklung, der IT-Sicherheit und -Beratung“, weiß Julia Hermann von paluno. „Frauen machen hier aktuell nur 14 Prozent aus – auf sie kann nicht länger verzichtet werden.“ Denn das führt dazu, dass sie oftmals nicht mitbedacht und somit indirekt ausgeschlossen werden. „Dies soll das Verbundprojekt ändern.“

In die Entwicklung der Lernplattform werden daher Frauen aus der IT als potentielle Nutzerinnen von Anfang an mit einbezogen, „um nicht an der Zielgruppe vorbei zu entwickeln und keine Stereotype zu untermauern.“ Welche Inhalte wie aufbereitet werden müssen, um den Bedarf der Nutzerinnen wie der Unternehmen zu decken, steht am Beginn des Projekts. „Und diese Anforderungen werden kritisch auf eine Genderperspektive analysiert und Alternativen erarbeitet“, erläutert Hermann, „IT&me soll so dazu beitragen, Anwendungen künftig gendersensibel zu entwickeln.“

Mithilfe der Lernplattform können sich Frauen in IT-Berufen, die in Teilzeit, freiberuflich oder inzwischen fachfremd arbeiten, weiterbilden oder ihr Wissen dort auffrischen – ganz individuell. „Die Nutzerinnen legen sich ein Profil an, und bestimmen selbst, wie sie lernen wollen: ob am liebsten mithilfe von Spielen, Videos, oder Audio-Beiträgen. Ob am Smartphone, Tablet oder PC“, erklärt Hermann. Dabei soll die Plattform ähnlich funktionieren wie im Online-Handel: mit Empfehlungen wie „Nutzerinnen, die dieses Video angeschaut haben, interessierten sich auch für jenes“. Inhalte sollen kommentiert, bewertet und ergänzt werden können.

Über den Wissenspool sollen die Frauen ganze Kurse, wie etwa „Techniken und Methoden der Digitalen Transformation“, absolvieren können, ebenso wie akut benötigtes Wissen abrufen: „Stehen sie beispielsweise gerade vor einem Meeting und benötigen eine Technik zur Aufwandsschätzung, können sie sich schnell und gezielt ein passendes interaktives Video dazu aufrufen.“ Zu den Lernfortschritten gibt die Plattform Rückmeldung, wertet Stärken und Schwächen aus, die dann die weiterführenden Inhalte bestimmen.

Der erste Prototyp soll nach 18 Monaten fertig sein und nach weiteren zwölf Monaten soll die Wissensplattform an Hochschulen und Unternehmen eingesetzt werden können. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 820.000 Euro.

Weitere Informationen:
Julia Hermann, Lehrstuhl für Software Engineering, insb. mobile Anwendungen, Tel. 0201/183-7243, julia.hermann (at) paluno.uni-due.de

Quelle: Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen