Mo., 30. März 2026   Fuchs, Sandra

Atomenergie im Fokus: Prof. Erwin Amann zur aktuellen Debatte

Im aktuellen Ökonomen-Barometer wird die Rolle der Atomenergie für die zukünftige Energieversorgung kontrovers diskutiert. Auch Prof. Dr. Erwin Amann von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen wurde dazu mit einem klaren Statement zitiert: Atomenergie sei eine „Übergangstechnologie, die viel zu teuer ist“. Wir haben seine Einschätzung aufgegriffen und ihn gebeten, seine Position näher zu erläutern.

Klimaschutz rechtfertigt nicht jede Investition: Grundsätzlich, so Amann, könne Klimaschutz durchaus auch Investitionen rechtfertigen, die sich kurzfristig nicht rechnen – insbesondere im Bereich der Forschung. Dies gelte etwa für neue Ansätze wie die Kernfusion oder die Nutzung von Abfällen aus der Atomenergie. Gleichzeitig dämpft er die Erwartungen: „Die Hoffnung, dass sich das in der Zukunft lohnen wird, ist äußerst gering – und mittelfristig löst es kein aktuelles Problem.“ Aktuelle Studien, unter anderem von Forschenden der ETH Zürich, stützen diese Einschätzung und verweisen auf die begrenzte wirtschaftliche Perspektive neuer Kernenergie-Technologien.

Deutschland habe sich bereits 2011 für den Atomausstieg entschieden – eine Rückkehr sei weder realistisch noch sinnvoll. Neue Atomkraftprojekte würden nach Einschätzung Amanns 15 bis 20 Jahre bis zur Umsetzung benötigen und mit erheblichen Kosten verbunden sein. Zudem verweist er auf weiterhin ungelöste Probleme: fehlendes Endlager, zunehmende Unsicherheit bei Zwischenlagern und Risiken beim Transport radioaktiver Abfälle.

Einen energiepolitischen „Sonderweg“ sieht Amann dennoch nicht kritisch:
„Der Sonderweg hat weder Nachteile bei der Versorgungssicherheit noch hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit.“ Stattdessen plädiert er für einen klaren Fokus auf Zukunftstechnologien: Solarenergie, Offshore-Windkraft, Effizienzsteigerungen sowie moderne Speicherlösungen. In diesen Bereichen sieht er großes Potenzial – auch für eine mögliche Vorreiterrolle Deutschlands.

Auch neue Technologien wie Small Modular Reactors (SMR) bewertet Amann zurückhaltend. Zwar würden diese seit Jahren als Hoffnungsträger gehandelt, doch bislang sei kein Konzept absehbar, das in den kommenden Jahren einsatzfähig sei.

Zudem relativiert er die Vorteile kleiner Reaktoren: höhere Stückzahlen erhöhen die Gesamtrisiken, hohe Sicherheitsanforderungen treiben die Kosten und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit ist nicht gegeben „Überall dort, wo ein steigender Strombedarf erwartet wird – etwa durch KI – ist Solarenergie in Kombination mit effizienter Speichertechnologie dramatisch überlegen“, so Amann.

Damit wird deutlich: Die Debatte um Atomenergie ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch hoch relevant – und bleibt weiterhin offen. An der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen wird sie aus unterschiedlichen Perspektiven wissenschaftlich begleitet und kritisch eingeordnet.