Tue, 01. Sept 2026   Fuchs, Sandra

Herzlich willkommen an der UDE: Professorin Stefanie Sohn übernimmt Professur für Marketing und Nachhaltigkeit

Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen begrüßt Prof. Dr. Stefanie Sohn als neue Professorin für Marketing und Nachhaltigkeit. Mit ihrer Forschung verbindet sie zwei Themen, die für Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen: Wie treffen Menschen Konsumentscheidungen? Und wie kann Marketing dazu beitragen, nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Handeln zu fördern?

Nach ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing in Münster, Bordeaux und Göttingen promovierte Prof. Sohn an der Technischen Universität Braunschweig. Anschließend forschte sie dort als Postdoktorandin, bevor sie an die Universität Süddänemark wechselte. Ihre wissenschaftliche Laufbahn ist geprägt von einem starken Interesse am Konsumentenverhalten – insbesondere an der Frage, wie Marketing Entscheidungen beeinflusst und welche Verantwortung Unternehmen dabei tragen.

Den Anstoß für diesen Forschungsweg gab bereits ein Praktikum während ihres Studiums in der Marketingabteilung eines französischen Weinhändlers. Dort erlebte sie, wie schon kleine Veränderungen an einer Marketingkampagne das Kaufverhalten von Kundinnen und Kunden beeinflussen können. Dieses Erlebnis weckte ihr Interesse daran, die dahinterliegenden Mechanismen wissenschaftlich zu erforschen.

An der Universität Duisburg-Essen möchte Prof. Sohn nun die neue Professur für Marketing und Nachhaltigkeit aufbauen und ihre Forschung in einem interdisziplinären Umfeld weiterentwickeln. Besonders reizvoll sind für sie dabei die vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten innerhalb der UDE, mit der Mercator School of Management, mit den Fakultäten für Gesellschaftswissenschaften und Informatik sowie im Rahmen der Universitätsallianz Ruhr. Auch das Ruhrgebiet selbst bietet mit seinen wirtschaftlichen, ökologischen und digitalen Transformationsprozessen ein spannendes Umfeld für Forschung und Praxis.

Im Interview erzählt Prof. Sohn, warum nachhaltiges Marketing kein Widerspruch ist, welche Themen sie aktuell beschäftigen und was Studierende von ihrer Lehre erwarten können.

Frau Prof. Sohn, was hat Sie dazu bewogen, den Ruf an die Universität Duisburg-Essen anzunehmen? Was hat Sie an der Professur für Marketing und Nachhaltigkeit besonders gereizt?

Mich hat besonders die Möglichkeit angesprochen, eine neue Professur aufzubauen und meine Ideen in Forschung und Lehre einzubringen. Auch thematisch passt die Professur sehr gut zu den Fragen, mit denen ich mich seit vielen Jahren beschäftige: nachhaltiges Konsumverhalten, Digitalisierung und die verantwortungsvolle Gestaltung von Märkten. Ein weiterer wichtiger Grund war das interdisziplinäre und internationale Forschungsumfeld der UDE. Ich arbeite sehr gern mit Forschenden aus anderen Disziplinen und Ländern zusammen, weil dadurch neue Perspektiven und häufig besonders interessante Forschungsfragen entstehen. An der UDE sehe ich dafür viele Anknüpfungspunkte, etwa zur Mercator School of Management, zur Psychologie, zu den Sozialwissenschaften und zur Informatik. Hinzu kommt die dichte Hochschullandschaft im Ruhrgebiet und in den angrenzenden Regionen. Insbesondere die Universitätsallianz Ruhr eröffnet zusätzliche Möglichkeiten für gemeinsame Forschungsprojekte und einen engen wissenschaftlichen Austausch. Spannend finde ich außerdem das Ruhrgebiet als Region, in der wirtschaftliche, ökologische und digitale Veränderungen besonders greifbar sind. Das eröffnet viele Forschungs- und Lehrmöglichkeiten mit engem Praxisbezug.

Was sind Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte? Woran arbeiten Sie derzeit besonders intensiv?

Meine Forschung ist in der Konsumentenverhaltensforschung verankert. Ich untersuche, wie Einstellungen, Entscheidungen und Verhaltensweisen von Konsumentinnen und Konsumenten entstehen und durch Marketingmaßnahmen beeinflusst werden. Ein Schwerpunkt liegt auf dem nachhaltigen Konsumentenverhalten. Dabei erforsche ich, wie nachhaltiges Kauf- und Konsumverhalten entsteht. So untersuche ich beispielsweise, wie und unter welchen Bedingungen die visuelle Gestaltung von Produkten Überkonsum fördern kann. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Sicherheit in digitalen Märkten aus der Perspektive der Konsumentinnen und Konsumenten. Ich untersuche, wie die wahrgenommene Sicherheit digitaler Kontaktpunkte entsteht und die Loyalität gegenüber Unternehmen beeinflusst. Darüber hinaus erforsche ich, wie Konsumentinnen und Konsumenten selbst zur Cybersicherheit von Unternehmen beitragen und welche Folgen diese Beteiligung für ihr Wohlbefinden und ihre Beziehung zum Unternehmen hat. In einem laufenden Drittmittelprojekt untersuchen wir zudem, wie KI-basierte Bildungsangebote Wissen über Cybersicherheit und digitales Schutzverhalten fördern können. Übergeordnet möchte ich mit meiner Forschung zu einem empirisch fundierten und verantwortungsvollen Marketing beitragen.

Marketing und Nachhaltigkeit – zwei Themen, die häufig als Gegensatz wahrgenommen werden. Warum gehören sie aus Ihrer Sicht zusammen?

Auf den ersten Blick können Marketing und Nachhaltigkeit wie Gegensätze wirken. Dieser Eindruck entsteht vor allem, wenn Marketing auf kurzfristige Absatzsteigerung reduziert wird: mehr verkaufen, mehr konsumieren. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich ihre Verbindung auf zwei Ebenen. Die erste Ebene betrifft das grundlegende Verständnis des Marketings. Modernes Marketing richtet sich auf die langfristige Schaffung von Wert für Kunden, Unternehmen und Gesellschaft. Dazu gehören tragfähige Beziehungen sowie die Berücksichtigung wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Auswirkungen. Nachhaltigkeit ist damit bereits in einem modernen Marketingverständnis verankert. Aus dieser Zielsetzung ergibt sich die zweite Ebene: die praktische Umsetzung. Nachhaltige Veränderungen hängen wesentlich davon ab, ob Menschen entsprechende Angebote annehmen und ihr Verhalten verändern. Dafür müssen Unternehmen die Bedürfnisse, Entscheidungsprozesse und alltäglichen Hürden der Konsumentinnen und Konsumenten verstehen. Marketing- und Konsumentenforschung schaffen dieses Wissen. Es kann genutzt werden, um Produkte, Kommunikation und Zugangswege so zu gestalten, dass nachhaltige Angebote zum Alltag der Menschen passen, leicht zugänglich und glaubwürdig sind.

Was ist Ihnen in der Lehre besonders wichtig? Wie möchten Sie Ihre Studierenden für Ihr Fach begeistern?

Mir ist wichtig, dass Studierende Marketing als lebendiges Fach erleben, das ihnen im Alltag täglich begegnet. Sie sollen lernen, hinter vermeintlich selbstverständliche Zusammenhänge zu schauen, alltägliche Annahmen kritisch zu prüfen und auf Basis empirischer Erkenntnisse eigene Antworten zu entwickeln. Eine spannende Forschungsfrage beginnt deshalb oft mit einer einfachen Beobachtung: Warum wirkt ein bestimmtes Produktdesign? Wann vertrauen Menschen einer KI-Empfehlung? Und wie lässt sich nachhaltiges Verhalten fördern? Im Studium verknüpfen wir solche Praxisbeispiele systematisch mit theoretischen Grundlagen und aktuellen Forschungsergebnissen, um das Alltagsphänomen wissenschaftlich zu durchdringen.

Welche Ziele oder Projekte möchten Sie in Ihren ersten Monaten an der Universität Duisburg-Essen gerne angehen?

In den ersten Monaten möchte ich die UDE, ihre Fakultäten und Forschungsschwerpunkte kennenlernen, um die Professur in Forschung und Lehre optimal auszurichten. Meine aktuellen Projekte zu digitaler Sicherheit, Vertrauen und nachhaltigem Konsumverhalten werde ich hier fortführen und schrittweise um neue, gemeinsame Vorhaben ergänzen. Besonders reizvoll ist für mich die Zusammenarbeit: sowohl innerhalb der Mercator School of Management als auch mit den Fakultäten für Gesellschaftswissenschaften und Informatik. Große Schnittmengen sehe ich zudem im Profilschwerpunkt „Wandel von Gegenwartsgesellschaften“. Auch das Ruhrgebiet bietet mit seinen ökologischen, sozialen und digitalen Transformationsprozessen das perfekte Umfeld, um Fragen eines verantwortungsvollen Marketings gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Praxis anzugehen. Mein Ziel ist es, zügig ein starkes Team aufzubauen, erste Kooperationen anzustoßen und die Studierenden frühzeitig in aktuelle Forschungsfragen einzubinden.